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Friday, June 14 • 12:15 - 13:15
Mit Transparenz zur Glaubwürdigkeit - Unser Umgang mit Fehlern und Kritik

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Wie reagieren Verlage und Sender, wenn sie auf Fehler aufmerksam (gemacht) werden?  Einfach ignorieren? Oder kleine, schwer zu findende "Korrekturspalten"?  Oder nachträgliche Veränderung der Texte/Beiträge ohne Kenntlichmachung ? So unterschiedlich die Methoden auch sind, nur sehr selten werden sie dem gerecht, was immer wieder gefordert wird: Transparenz. Auch bei Fehlern.
Und wie ist der Umgang mit Kritik? Keine Reaktion? Oder vielleicht doch ein eigener Blog für die Kommunikation mit den Kritikern?

Und was erleben Medienjournalisten/innen, wenn sie für ihre Berichte Anfragen an Sender und Verlage stellen?
Werden sie vertröstet, immer wieder an andere Gesprächspartner verwiesen oder gibt es überhaupt keine Auskunft? Und was passiert, wenn kritische Berichte erscheinen? Beschweren sich die Kritisierten? Wie "sensibel" und/oder nachtragend sind sie?

Georg Mascolo hatte unter dem Titel „Frei, unabhängig, kritisch“ (SZ v. 17.11. 2018) den gegenwärtigen Journalismus schonungslos kritisiert und insbesondere beklagt, wie mangelhaft unser Berufsstand mit Fehlern und Kritik umgehe. In einer Zeit, die mehr denn je Qualitätsmedien brauche, um gegen die Flut der Falschmeldungen und Fake News anzukommen, konstatierte er eine Dickhäutigkeit unseres Berufsstandes gegenüber berechtigter Kritik. Seine Botschaft: Wir sollten fundierte Kritik ernst nehmen, uns mit unseren Kritikern auseinandersetzen. „Nur wenn wir mit unseren Fehlern transparent umgehen, erhalten wir uns die Freiheit und die Autorität, andere auf ihre Fehler hinzuweisen.“ Mascolos Argumente wirkten nicht zuletzt auch deshalb sehr überzeugend, weil er sich auch selbstkritisch mit seinen eigenen Fehlern auseinandersetzte.

Einen Monat später wurden Fehler von bis dahin ungeahntem Ausmaß beim SPIEGEL öffentlich, dem Magazin, das Mascolo von 2008 bis 2013 als Chefredakteur geleitet hatte. Das Nachrichtenmagazin musste öffentlich bekennen, dass sein vielfach preisgekrönter Autor Claas Relotius seit 2014 Reportagen teilweise oder in Gänze erfunden und der SPIEGEL sie veröffentlicht hatte. Obwohl es Hinweise auf Unstimmigkeiten z.B. von Lesern gegeben und ein Kollege auf Fälschungen von Relotius mehrfach hingewiesen hatte, waren die Verantwortlichen in der Redaktion diesen deutlichen Warnzeichen nicht nachgegangen. Sie wiesen sogar Beweise für die Fälschungen zurück und veröffentlichten noch eine Reportage von Relotius, bis das Lügengebäude endgültig zusammenkrachte.

Das Magazin versprach totale Transparenz bei der Aufklärung, machte sich - so der Chefredakteur Klusmann - "nackig". Und hielt Wort: Im Abschlussbericht der Aufklärungskommission gibt es Klartext: „Die Kritik- und Fehlerkultur im Haus ist nicht sehr ausgeprägt. …. Zwei Kontrollinstanzen sind für eine gute Fehlerkultur entscheidend… Die eine sind die Kollegen…, die andere der Leser“. Die Berichterstatter schlagen deshalb neben anderen Verbesserungen der Fehlerkultur die Einrichtung einer Ombudsstelle vor, an die sich Kollegen und auch Leser als neutrale Instanz wenden können, wenn sie auf dem üblichen Weg nicht weiterkommen.

Ein Modell auch für all die anderen Verlage und Sender?
Ein Panel mit Medienjournalisten/innen und Kollegen/innen, die für journalistische Inhalte verantwortlich sind,  über ein Thema, das uns alle betrifft. Gerade jetzt .........



Links zum Thema:
Fall Claas Relotius: Abschlussbericht der Aufklärungskommission - (Spiegel online)  
Warum der Relotius-Bericht für den Spiegel so verheerend ist (Übermedien)
Abschluss der Relotius-Affäre: Schwächen im System (ZAPP/NDR)
Relotius-Abschlussbericht: "Ein verheerendes Bild" (DWDL)
Journalismus - Frei, unabhängig, kritisch (Süddeutsche Zeitung)
Journalismus - Mehr Selbstreflexion tut not (Der Tagesspiegel)
Medien müssen an sich die Maßstäbe anlegen, die sie an alle anderen anlegen (Übermedien)
GLAUBWÜRDIGKEIT DER MEDIEN - "Guter Journalismus braucht Selbstbewusstsein" (Horizont)
Wie kommt ein falsches Baby auf die Titelseite?  (FAZ)
Die falsche Geschichte vom Hilfsgüter-Konvoi, den Maduro anzünden ließ (Übermedien)
Ein Blick in den Spiegel - Über den Umgang der Medien mit ihren Fehlern (Die Zeit)
Sorry seems to be the hardest wordJournalisten machen Fehler: Wie können sie besser damit umgehen? (DJV)
"Was Medienjournalisten machen, würde uns niemals jemand durchgehen lassen" (Übermedien)
Glaubwürdigkeit beschädigt - Ein Plädoyer für den konstruktiven Umgang mit begründeter Kritik im Rundfunk (Menschen machen Medien)



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Susanne Stichler

ARD-aktuell, NDR
Susanne Stichler ist das Gesicht von Panorama 3: Engagiert und pointiert präsentiert sie das, was die Reporterinnen und Reporter Woche für Woche recherchiert haben. Seit 2004 moderiert sie Sendungen im NDR Fernsehen. Ursprünglich aus dem Schwäbischen kommend, führte ihr Weg über... Read More →

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Cordula Meyer

Leiterin Deutschland-Ressort, Der Spiegel
Cordula Meyer studierte Politik und Kommunikation an der University of Arizona in  Tucson und schloss 1996 mit dem M.A. ab. 1999 kam sie zum SPIEGEL und  schrieb  vor allem über Terrorismus, Islamismus und Integration. Von 2007 bis  2009 war sie Washington-Korrespondentin des... Read More →
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Anne Fromm

Medienredakteurin, taz
Anne Fromm ist in Erfurt geboren und hat in Leipzig, Berlin und Schweden studiert. In München hat sie die Deutschen Journalistenschule besucht und Station bei der taz, Zeit Online und dem Bayerischen Rundfunk gemacht. Anschließend hat sie frei für Print und Hörfunk gearbeitet... Read More →
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Kai Gniffke

Chefredakteur ARD-aktuell, NDR
Dr. Kai Gniffke, geboren 1960 in Frankfurt am Main, studierte Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Soziologie in Mainz und Frankfurt am Main. Nach seiner Promotion arbeitete er seit 1993 als Reporter und Schlussredakteur in den Abteilungen Fernsehnachrichten und Landespolitik... Read More →
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Stefan Niggemeier

Übermedien
Stefan Niggemeier wurde als Fernseher geboren und sieht seither alles, was läuft, aus beruflichen Gründen auch Schrott, inzwischen sogar HD. Er ist Diplom-Journalist und schreibt seit Jahren über Medien, was manchmal und zum Glück auch therapeutisch wirkt. Als Redakteur hat er... Read More →
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Georg Mascolo

Head of Joint Investigative Group, Joint Investigative Group of Süddeutsche Zeitung, NDR and WDR
Georg Mascolo, Germany, is the head of the Joint Investigative Group of Süddeutsche Zeitung, Germany’s leading newspaper, and the major German public broadcasting companies NDR and WDR. He also acts as a Terrorism Analyst for public television.Previously, he worked for nearly 25 years for the SPIEGEL Group. From 2008 until 2013, Mascolo was editor-in-chief of Der Spiegel Magazine. He is also a member of the Core Group of the Munich Security Conference.He has bee... Read More →


Friday June 14, 2019 12:15 - 13:15 BST
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